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Disney, Walt: Eine geheimnisvolle Melodie

Oder: Wie Micky seine Minnie traf

Über eines kann man bei den Disney-Hommage Bänden aus dem Hause Egmont ganz sicher nicht streiten: Die über jeden Zweifel erhabene Aufmachung. Wie zuletzt in "Micky und der Verlorene Ozean" treffen hier renommierte, europäische Künstler auf klassische, ikonische Motive aus dem Hause Walt Disney. Sehr gute Druckqualität auf wertigem Papier, exotische Formate und edle Leineneinbände ziehen eine klare Linie zwischen künstlerisch wertvoller Literatur und netten Unterhaltungsheftchen. Wir haben uns zwei weitere Ausgaben der Kollektion näher angeschaut, um herauszufinden, ob der Inhalt der imposanten Präsentation gerecht werden kann.
In "Eine Geheimnissvolle Melodie oder wie Micky seine Minnie traf" zieht der für "Auf der Suche nach Peter Pan" bekannte schweizer Künstler Cosey alle zur Verfügung stehenden Retro-Register. Die beliebteste Maus der Welt wird Ende der zwanziger Jahre kurzerhand zum Drehbuchautoren gemacht, der sichtlich mit der abhanden kommenden Leichtigkeit und Naivität der frühen, vor allem der leichten Unterhaltung gewidmeten Film-Äre zu kämpfen hat. Von diesen verhätnismäßig selten eingestreuten, kritischen und kunsthistorischen Schulterblicken abgesehen ist der Band aber vor allem eine Liebeserklärung an Disneys klassische Kurztrickfilme und bedient sich vorwiegend dem niedlich-naivem Slapstick-Humor der Epoche. Der funktioniert tatsächlich trotz fehlender Animationen sehr gut, was nicht zuletzt dem simuliert archaischem Druck, manchmal gar mit farblich leicht ausblutendem Punkteraster geschuldet ist. Charmant und kurzweilig ist "Die Geheimnisvolle Melodie" allemal. Eine etwas höhere Dosis der angedeuteten Kritik an der sensationslüsternen Hollywood-Industrie hätte es aber gern sein dürfen.
In "Café Zombo" beweist der Franzose Régis Loisel nämlich, dass Disney offenbar einiges an wirklich bissiger Gesellschaftskritik durchgehen lässt, wenn man es nur versucht und pfiffig genug anstellt. Hier werden die arbeitslosen Tagelöhner Micky und Rudi Zeugen, wie ein skrupelloser Geschäftsmann die arme, arbeitende Bevölkerung mit billigen Suchtmitteln in willenlose Arbeitsdrohnen verwandelt. Grafisch sichtlich aufwändiger als der erste vorgestellte Band, bewahrt sich "Café Zombo" dennoch seinen Vintage-Charme, nicht zuletzt durch das totgeglaubte aber hier wundervoll passende Querformat. Frecher und rotziger, dabei aber nie respektlos gegenüber dem Ausgangsmaterial, lotet der vielleicht bislang stärkste Hommage-Band die Grenzen der Glaubwürdigkeit aus, in denen kompromisslose Kapitalismus-Kritik durch Figuren eines der größten Konzern-Imperien der Welt formuliert werden kann. Dass dabei Unterhaltungsfaktor und liebevolle, nostalgische Gestaltung inklusive klassischer Micky-Knopfhose eine so große Rolle spielen rundet das Paket hervorragend ab.

Artikelnummer: 9783770439638
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Über eines kann man bei den Disney-Hommage Bänden aus dem Hause Egmont ganz sicher nicht streiten: Die über jeden Zweifel erhabene Aufmachung. Wie zuletzt in "Micky und der Verlorene Ozean" treffen hier renommierte, europäische Künstler auf klassische, ikonische Motive aus dem Hause Walt Disney. Sehr gute Druckqualität auf wertigem Papier, exotische Formate und edle Leineneinbände ziehen eine klare Linie zwischen künstlerisch wertvoller Literatur und netten Unterhaltungsheftchen. Wir haben uns zwei weitere Ausgaben der Kollektion näher angeschaut, um herauszufinden, ob der Inhalt der imposanten Präsentation gerecht werden kann.
In "Eine Geheimnissvolle Melodie oder wie Micky seine Minnie traf" zieht der für "Auf der Suche nach Peter Pan" bekannte schweizer Künstler Cosey alle zur Verfügung stehenden Retro-Register. Die beliebteste Maus der Welt wird Ende der zwanziger Jahre kurzerhand zum Drehbuchautoren gemacht, der sichtlich mit der abhanden kommenden Leichtigkeit und Naivität der frühen, vor allem der leichten Unterhaltung gewidmeten Film-Äre zu kämpfen hat. Von diesen verhätnismäßig selten eingestreuten, kritischen und kunsthistorischen Schulterblicken abgesehen ist der Band aber vor allem eine Liebeserklärung an Disneys klassische Kurztrickfilme und bedient sich vorwiegend dem niedlich-naivem Slapstick-Humor der Epoche. Der funktioniert tatsächlich trotz fehlender Animationen sehr gut, was nicht zuletzt dem simuliert archaischem Druck, manchmal gar mit farblich leicht ausblutendem Punkteraster geschuldet ist. Charmant und kurzweilig ist "Die Geheimnisvolle Melodie" allemal. Eine etwas höhere Dosis der angedeuteten Kritik an der sensationslüsternen Hollywood-Industrie hätte es aber gern sein dürfen.
In "Café Zombo" beweist der Franzose Régis Loisel nämlich, dass Disney offenbar einiges an wirklich bissiger Gesellschaftskritik durchgehen lässt, wenn man es nur versucht und pfiffig genug anstellt. Hier werden die arbeitslosen Tagelöhner Micky und Rudi Zeugen, wie ein skrupelloser Geschäftsmann die arme, arbeitende Bevölkerung mit billigen Suchtmitteln in willenlose Arbeitsdrohnen verwandelt. Grafisch sichtlich aufwändiger als der erste vorgestellte Band, bewahrt sich "Café Zombo" dennoch seinen Vintage-Charme, nicht zuletzt durch das totgeglaubte aber hier wundervoll passende Querformat. Frecher und rotziger, dabei aber nie respektlos gegenüber dem Ausgangsmaterial, lotet der vielleicht bislang stärkste Hommage-Band die Grenzen der Glaubwürdigkeit aus, in denen kompromisslose Kapitalismus-Kritik durch Figuren eines der größten Konzern-Imperien der Welt formuliert werden kann. Dass dabei Unterhaltungsfaktor und liebevolle, nostalgische Gestaltung inklusive klassischer Micky-Knopfhose eine so große Rolle spielen rundet das Paket hervorragend ab.

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